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Analysis of DAX40 FY2025 CSRD Carbon Credit Disclosures
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Der Unterschied zwischen CO2-Removal und CO2-Vermeidung, erklärt

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Die meisten Unternehmenskäufer, mit denen wir 2026 sprechen, kommen mit derselben Grundannahme: CO2-Removal Zertifikate gelten als glaubwürdig, Zertifikate zur Emissionsvermeidung als ein Problem aus der Vergangenheit, von dem man besser Abstand nimmt. Diese Einschätzung ist teilweise berechtigt. Die Nature-Studie von 2024 hat gezeigt, dass 87 % der von den größten Unternehmen der Welt gekauften Zertifikate ein hohes Risiko trugen, keine echten Emissionsreduktionen zu liefern, und der Großteil davon waren Vermeidungszertifikate. Der Markt hat diese Erkenntnis aufgenommen und sich entschlossen auf Removal als sichere Antwort verlegt.

Es stimmt, dass die qualitativ hochwertigsten permanenten Removals (DAC, Pflanzenkohle, Mineralisation) am oberen Ende der Qualitätsskala stehen, und dieser Ruf ist verdient. Aber Removal als Kategorie ist nicht durchweg hochwertig, und Vermeidung ist nicht durchweg minderwertig. Die Calyx Global Ratings von 2026 zeigen die Bandbreite innerhalb beider Kategorien. Vermeidungszertifikate belegen die obersten Bewertungen (die einzigen Zertifikate mit A+ und A sind Vermeidungszertifikate), während Removals stärker in den unteren Klassen vertreten sind. Es gibt in beiden Kategorien eine breite Qualitätsspanne. Die Qualität hängt nicht von der Kategorie ab, sondern von der Methodologie und vom einzelnen Projekt. Was im Markt wie ein Kategorie-Problem aussieht, ist meist ein Screening-Problem innerhalb einer Kategorie.

Calyx Global Bewertungen von Vermeidungs- und Removal-Zertifikaten
Calyx Global Bewertungen von Vermeidungs- und Removal-Zertifikaten. Quelle: Calyx Global.

Der Grund, warum Removal mit einem Aufpreis gehandelt wird, ist das knappe Angebot, nicht die Qualität. Es gibt schlicht zu wenig davon: Die Methodologien sind neuer, kapitalintensiver und brauchen länger bis zur Ausstellung. Der Bericht State of Quality and Pricing in the VCM 2026 zeigt das deutlich: In jeder THG-Qualitätsklasse sind Removal-Projekte deutlich teurer als Vermeidungsprojekte mit derselben Qualitätsbewertung.

Die eigentliche Frage für Unternehmenskäufer in 2026 lautet also nicht "Removal oder Vermeidung". Sie lautet: Was bewirken die beiden Kategorien wirklich, welches Mischverhältnis sollte mein Portfolio angesichts meines Net-Zero-Zieljahres haben, und wie filtere ich innerhalb jeder Kategorie die Projekte heraus, die in zwei Jahren zu einem Reputationsproblem werden?

Der Unterschied

Ein Vermeidungszertifikat steht für Emissionen, die nicht entstanden sind. Ein CO2-Removal Zertifikat steht für Emissionen, die der Atmosphäre entzogen wurden. Beide werden in Tonnen CO2-Äquivalent gemessen, aber die zugrunde liegende Klimawirkung ist grundverschieden.

CO2-Vermeidung vs CO2-Removal Vergleich
CCP-zugelassene Zertifikate ballen sich in den oberen Qualitätsklassen. Quelle: State of Quality and Pricing in the VCM 2026.

CO2-Vermeidung umfasst Projekte, die Emissionen von vornherein verhindern. Die häufigsten Arten sind Waldschutz (Zahlungen an Landbesitzer und Gemeinden, damit bestehender Wald nicht gerodet wird, oft als REDD+ bezeichnet), Methan-Abscheidung aus Deponien oder Landwirtschaft sowie erneuerbare Energieprojekte, die fossile Stromerzeugung verdrängen. Ein stillgelegtes Vermeidungszertifikat steht für eine Tonne CO2, die dank der Finanzierung des Projekts nicht in die Atmosphäre gelangt ist.

CO2-Removal umfasst Projekte, die bereits in der Atmosphäre vorhandenes CO2 wieder entziehen und einlagern. Die Speicherung kann biologisch sein (Aufforstung, Wiederaufforstung, Bodenkohlenstoff), hybrid (Pflanzenkohle, die Pflanzenkohlenstoff für 100 bis 1.000 Jahre stabil im Boden bindet) oder geologisch (Direct Air Capture mit unterirdischer mineralischer Speicherung, die CO2 zehntausende Jahre festhält).

Beide Kategorien sind wichtig, und der Weltklimarat (IPCC) ist seit AR6 dazu eindeutig: Die Welt braucht tiefgreifende Emissionsreduktionen plus 6 bis 10 Gigatonnen CO2-Entnahme pro Jahr bis 2050. Der freiwillige Markt liefert davon aktuell nur einen Bruchteil, deutlich unter 0,01 % des 2050er Bedarfs.

Drei Fragen vor dem Kauf

1. Zählt dieses Zertifikat für unseren Net Zero Claim?

Im Corporate Net-Zero Standard v2 der SBTi dürfen nur CO2-Removal Zertifikate zur Neutralisation der Restemissionen in einem Net Zero Claim verwendet werden. Ab 2035 wird das in den meisten glaubwürdigen Frameworks zur Regel. Vermeidungszertifikate zählen nicht für die Neutralisation, bleiben aber gültig für die kurzfristigen Klimaschutzmaßnahmen, die parallel zur Dekarbonisierungs-Roadmap laufen.

Der SBTi v2 führt zudem das Konzept der Ongoing Emissions Removals (OER) ein. Es formalisiert, was viele Unternehmenskäufer aus den Liefergesprächen ohnehin schon ahnten: Man kann nicht bis zum Net-Zero-Jahr warten, um mit dem Kauf von Removals zu beginnen. Das Removal-Angebot wird 2045 knapper und teurer sein als heute, und die Beschaffungskurve muss jetzt anfangen.

2. Was ist das richtige Verhältnis von Removal und Vermeidung für unser Portfolio?

Die Oxford Principles for Net-Zero Aligned Carbon Offsetting legen den kanonischen Pfad fest. Prinzip 2 fordert von Unternehmen, ihr Portfolio schrittweise von Vermeidung in Richtung Removal zu verschieben und im Net-Zero-Jahr 100 % Removal zu erreichen. Prinzip 3 verlangt eine parallele Verschiebung innerhalb der Removal-Allokation: weg von kurzlebiger Speicherung wie Wäldern (die durch Feuer, Schädlinge oder Holzernte verloren gehen können) hin zu langlebiger Speicherung in Pflanzenkohle, Geologie oder Mineralisation, mit Permanenz im Bereich von Jahrhunderten oder Jahrtausenden. Der SBTi v2 folgt derselben Logik über OER.

In der Praxis gilt: Je näher das Net-Zero-Jahr, desto mehr Removal muss bereits im Portfolio 2026 enthalten sein. Ein Unternehmen mit Ziel 2030 kann nicht bis 2029 warten, um den Aufbau zu beginnen. Es braucht Removal als substanziellen Anteil der diesjährigen Einkäufe, mit mehrjährigen Abnahmeverträgen für den permanenten Anteil (Pflanzenkohle, DACCS, Mineralisation), damit es nicht 2029 Spotmarktpreise für 2029er Volumen zahlt. Ein Unternehmen mit Ziel 2050 hat mehr Spielraum, aber ein Portfolio, das 2035 noch fast vollständig auf Vermeidung setzt, wird von der SBTi v2-Schwelle eingeholt. Das richtige Verhältnis in einem bestimmten Jahr hängt vom Anteil schwer vermeidbarer Emissionen, der Branche und der Ambition des öffentlichen Ziels ab. Die Richtung bleibt gleich: Der Removal-Anteil steigt jedes Jahr, und die Permanenz innerhalb der Removals steigt mit.

3. Wie vermeiden wir, dass ein Zertifikat zum Reputationsrisiko wird?

Qualität hängt viel weniger von der Kategorie eines Zertifikats ab als davon, wie das konkrete Projekt geprüft wurde. Der nützlichste Filter am Markt ist die Zulassung unter den Core Carbon Principles (CCP). Der Integrity Council for the Voluntary Carbon Market (ICVCM) hat das CCP-Framework 2023 eingeführt, um einen einheitlichen Qualitätsstandard über die Vielzahl älterer Standards (Verra, Gold Standard, ACR, CAR) hinweg zu setzen. Die Daten zeigen, dass es funktioniert: CCP-zugelassene Zertifikate konzentrieren sich in den oberen Qualitätsklassen, während das breitere ungeprüfte Universum unten konzentriert ist.

Qualität von CCP-zugelassenen Zertifikaten vs. allen Zertifikaten
CCP-zugelassene Zertifikate ballen sich in den oberen Qualitätsklassen. Quelle: State of Quality and Pricing in the VCM 2026.

Eine Frage, die uns jede Woche erreicht: Ist REDD+ tot? Nein, aber die Version von REDD+, die die Kontroverse von 2024 ausgelöst hat, im Prinzip schon. Das waren Zertifikate, die unter VM0007 und ähnlichen Vor-Revisions-Methodologien ausgestellt wurden, mit aufgeblähten Baselines und schwer überprüfbarer Zusätzlichkeit. Die neueren CCP-konformen REDD+-Methodologien erzeugen Zertifikate, die ganz anders aussehen, aber das ausgegebene Angebot ist klein, und der Großteil des Spotmarkts besteht weiterhin aus altem Vintage. Ein Portfolio für 2026, das Waldschutz enthalten möchte, muss bei Methodologie und Vintage sehr selektiv vorgehen, sonst übernimmt es das ursprüngliche Problem.

Die drei Filter, die in unserem Screening den größten Teil der Arbeit leisten:

  1. CCP-zugelassene Methodologie. Wenn ein Zertifikat nicht CCP-zugelassen ist, sollte es einen belastbaren Grund geben, es trotzdem zu kaufen.
  2. Aktueller Vintage. Vintages vor 2020 tragen das höchste Reputationsrisiko. Die Methodologie, unter der sie ausgestellt wurden, ist häufig seitdem zurückgezogen, überarbeitet oder herabgestuft worden.
  3. Projektspezifische Belastbarkeit. Sie kombiniert externe Ratings, Presse und in späteren Phasen proprietäre Due Diligence.

Dieser Filterprozess ist der Grund, warum wir rund 95 % der Projekte ablehnen, die uns vorgelegt werden.

Ein Blick auf die gängigen Methodologien

KategorieMethodologieWas es istSenkens Sicht
VermeidungREDD+Zahlungen an Landbesitzer, damit bestehender Wald nicht gerodet wirdNur opportunistisch. Alte Vintages sind ein Reputationsrisiko. Die neue CCP-zugelassene Variante hat bisher kaum ausgegebenes Angebot.
VermeidungErneuerbare EnergienWind, Solar, Wasserkraft, die fossile Stromerzeugung verdrängenGrößtenteils ausgeschlossen. Zusätzlichkeit lässt sich für netzgekoppelte Projekte nach 2020 schwer belegen.
VermeidungVerbesserte KochherdeEffiziente Kochherde, die das Kochen mit offenem Feuer ersetzenIn der Regel gemieden. Über-Verzertifizierung ist häufig, das Monitoring schwach.
RemovalARR (Aufforstung, Wiederaufforstung und Revegetation)Pflanzung von Bäumen auf zuvor nicht bewaldetem LandDie qualitativ hochwertigste naturbasierte Kategorie, mit stark begrenztem Angebot. 17 bis 70 € pro Tonne.
RemovalPflanzenkohlePyrolysierte Biomasse, die Kohlenstoff für 100 bis 1.000 Jahre im Boden bindetBeliebteste Variante unter den permanenten Removals. Ab 120 € pro Tonne. Deutsche Pflanzenkohle-Projekte sind ein Differenzierungsmerkmal, das die meisten deutschen Käufer im Portfolio vertreten sehen wollen.
RemovalDirect Air Capture (DAC)Industrielle Anlagen, die CO2 aus der Umgebungsluft entziehen und geologisch speichernEher ein Glaubwürdigkeitsanker als ein Volumengeschäft, bei 1.500+ € pro Tonne.

Fazit

Die Unternehmenskäufer, die das 2026 richtig machen, behandeln Removal und Vermeidung nicht mehr als konkurrierende Optionen, zwischen denen man sich entscheiden muss. Sie bauen Portfolios mit beiden Komponenten, gewichtet nach dem jeweiligen Net-Zero-Zeitplan, und prüfen jedes Zertifikat durch CCP-Zulassung, Vintage und eine projektspezifische Belastbarkeitsprüfung, bevor es aufgenommen wird. Das ist nicht die aufregendste Antwort, aber es ist die Antwort, die eine CSRD-Prüfung und einen skeptischen Vorstand übersteht.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen CO2-Removal und CO2-Vermeidung?

Ein Vermeidungszertifikat steht für Emissionen, die nicht entstanden sind, etwa durch ein Waldschutzprojekt (REDD+), Methan-Abscheidung aus einer Deponie oder erneuerbare Energie, die fossile Stromerzeugung verdrängt. Ein CO2-Removal Zertifikat steht für Emissionen, die der Atmosphäre bereits entzogen und gespeichert wurden, etwa durch Aufforstung, Pflanzenkohle oder Direct Air Capture mit geologischer Speicherung. Beide werden in Tonnen CO2-Äquivalent gemessen, leisten aber grundverschiedene Klimaarbeit: Vermeidung verhindert neue Emissionen, Removal entzieht bereits vorhandene.

Zählen Vermeidungszertifikate für einen unternehmerischen Net Zero Claim?

Im Corporate Net-Zero Standard v2 der SBTi dürfen nur CO2-Removal Zertifikate zur Neutralisation der Restemissionen in einem Net Zero Claim verwendet werden. Ab 2035 wird das in den meisten glaubwürdigen Frameworks zur Regel. Vermeidungszertifikate zählen nicht für die Neutralisation, bleiben aber gültig für die kurzfristigen Klimaschutzmaßnahmen, die parallel zur Dekarbonisierungs-Roadmap eines Unternehmens laufen.

Was ist das richtige Verhältnis von CO2-Removal und CO2-Vermeidung im unternehmerischen Portfolio?

Die Oxford Principles for Net-Zero Aligned Carbon Offsetting legen den kanonischen Pfad fest: Unternehmen sollten ihr Portfolio schrittweise von Vermeidung in Richtung Removal verschieben und im Net-Zero-Jahr 100 % Removal erreichen. Je näher das Net-Zero-Zieljahr, desto mehr Removal muss heute im Portfolio enthalten sein. Ein Ziel 2030 braucht Removal als substanziellen Anteil der aktuellen Einkäufe, mit mehrjährigen Abnahmeverträgen für den permanenten Anteil (Pflanzenkohle, DACCS, Mineralisation). Ein Ziel 2050 hat mehr Spielraum, aber ein Portfolio, das 2035 noch fast vollständig auf Vermeidung setzt, wird von der SBTi v2-Schwelle eingeholt.

Ist REDD+ als Kategorie für unternehmerische CO2-Käufer tot?

Nein, aber die Version von REDD+, die die Nature-Studien-Kontroverse von 2024 ausgelöst hat, im Prinzip schon. Diese Zertifikate wurden unter VM0007 und ähnlichen Vor-Revisions-Methodologien ausgestellt, mit aufgeblähten Baselines und schwacher Zusätzlichkeit. Neuere CCP-konforme REDD+-Methodologien erzeugen Zertifikate, die ganz anders aussehen, aber das ausgegebene Angebot ist klein, und der Großteil des Spotmarkts besteht weiterhin aus altem Vintage. Ein Portfolio für 2026, das Waldschutz enthalten möchte, muss bei Methodologie und Vintage sehr selektiv vorgehen, sonst übernimmt es das ursprüngliche Problem.

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